Die letzten Tage des
zweiten Weltkrieges in Meilendorf

Vorwort

Die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs im April 1945 in Meilendorf wurden auf Basis verschiedener Quellen und Berichte zusammengetragen und eingeordnet. Gespräche mit Zeitzeugen zeigten immer wieder, wie emotional aufgeladen dieses Thema bis heute ist und wie unterschiedlich, beziehungsweise subjektiv, die damaligen Ereignisse wahrgenommen wurden. Die Geschehnisse der letzten Kriegstage können nur aus mehreren Augenzeugenberichten annähernd rekonstruiert werden.

Vorgeschichte bis April 1945

Bis zu diesen Ereignissen war der Ort selbst von direkten Kampfhandlungen weitgehend verschont geblieben. Die Folgen des Krieges prägten das Dorfleben dennoch seit Jahren: Alle wehrfähigen Männer ohne sogenannte UK-Stellung (unabkömmlich) waren zur Wehrmacht eingezogen worden, und die Dorfgemeinschaft hatte bis dahin vor allem den Verlust gefallener Soldaten aus den eigenen Reihen zu beklagen.

Bereits im November 1944 kam es in der Region zu Luftkämpfen mit amerikanischen Bomberverbänden. Dabei stürzte eine alliierte P-51 Mustang (Jagdflugzeug) in einem Waldstück unweit von Meilendorf ab. Laut Augenzeugenberichten ragte das Leitwerk der Maschine noch lange aus dem Boden; geborgen wurde das Flugzeug bisher nicht. Am 2. November 1944 wurde zudem ein deutscher Jäger über Körnitz abgeschossen. Der 31-jährige Pilot Josef Tüssner ist seitdem auf dem Meilendorfer Friedhof begraben.

Gegen Ende des Krieges rückten die Geschehnisse noch näher an den Ort heran: Im benachbarten Gölzau wurden im sogenannten „Adolf-Hitler-Werk“ Reifen für Militärfahrzeuge hergestellt. Kurz vor dem Einmarsch der US-Truppen im April 1945 war dieses Werk Ziel eines Bombenangriffs. Dabei wurde ein amerikanischer Bomber vom Typ B-17 („Fliegende Festung“) durch Flakfeuer getroffen und stürzte auf einen Acker nahe Meilendorf. Die Besatzung konnte sich mit dem Fallschirm retten, geriet jedoch nach vorliegenden Informationen anschließend in Gölzau in Gefangenschaft.

Historische Aufnahme des nahe Meilendorf abgestürzten Bombers B-17

Historische Aufnahme des nahe Meilendorf abgestürzten Bombers B-17
© Bilddatei ist Eigentum von Michael Tschernjajew Quelle Vimudeap

Geschehnisse am 14. und 15. April 1945

Vorabend des Einmarsches

Einige Tage vor den Ereignissen kam eine Kolonne mit KZ-Häftlingen in Meilendorf an. Diese wurden auf verschiedene Höfe verteilt. Der Großteil war bei Familie Wiegand, aber auch 3 Häftlinge im Nebenhaus des Gehöftes der Familie Hadert (Dorfstraße 4) untergebracht.

Am Abend vor dem Eintreffen der US-Truppen lieferten Männer des Volkssturms Panzerfäuste im Dorf ab. Um eine aussichtslose Verteidigung des Ortes abzuwenden, versenkten besorgte Einwohner diese Waffen heimlich im Schlamm der Brennereikiete.

Samstag, 14. April 1945 - Eintreffen deutscher Soldaten und Abriegelung des Dorfes

Am 14. April 1945 rückte die Frontlinie zwischen amerikanischen und deutschen Truppen an Meilendorf heran. Die Aufmarschlinie der Amerikaner lag zu diesem Zeitpunkt zwischen Meilendorf und Körnitz aus Ziebigk kommend in Richtung Hinsdorf. Erste amerikanische Panzer rollten gegen Mittag aus Richtung Prosigk über den Feldweg - heute direkte Parallelstraße zur zukünftigen B6N - in Richtung Hinsdorf. Ein kleines amerikanisches Armeefahrzeug erreichte das Dorf, woraufhin die zweiköpfige Besatzung verbliebene Waffen einsammelte und unschädlich machte.

Gegen 17:00 Uhr kam eine deutsche Einheit, bestehend aus 15 jungen Soldaten und einem Offizier aus Roßlau kommend, über einen Verbindungsweg („Schlippe“ - Weg zwischen den Häusern der Familien Göricke und Albrecht) im Ort an. Unter Androhung der Todesstrafe wurden die Männer des Dorfes gezwungen, drei vorbereitete Panzersperren in Richtung Ziebigk und Fraßdorf zu schließen. Vier auf der Flucht befindliche KZ-Häftlinge, die das Dorf erreichten, wurden von den deutschen Soldaten erschossen. Der genaue Grund konnte bis jetzt nicht in Erfahrung gebracht werden.

Das Dorf war vollständig abgeriegelt. Die Einwohner Meilendorfs sowie Evakuierte aus Dessau und die Flüchtlinge aus dem Rheinland verbrachten die Nacht in Ungewissheit in den Kellern.

Der deutsche Offizier ließ die im Dorf arbeitenden ausländischen Zwangsarbeiter – überwiegend Menschen aus Polen und junge Frauen aus der Ukraine – im Brennereikeller der Familie Wiegand einsperren.

Sonntag, 15. April 1945: Beschuss und Besetzung durch US

Die Aufmarschlinie der Amerikaner lag weiterhin zu diesem Zeitpunkt zwischen Meilendorf und Körnitz aus Ziebigk kommend in Richtung Hinsdorf.

Ein kleines amerikanisches Armeefahrzeug wollte den Ort aus Richtung Ziebigk gegen 14:00 Uhr passieren. Da die Durchfahrt durch die Panzersperren blockiert war, wich das Fahrzeug an der Schule in Richtung Körnitz aus. Panzer der 3. US-Panzerdivision „Hogans 400“, unter Führung von Oberstleutnant Samuel M. Hogan, näherten sich aus Richtung Repau zu diesem Zeitpunkt.

Es kam zum Schusswechsel durch mehrere Wehrmachtssoldaten mit den heranrückenden amerikanischen Truppen. Um einen etwaigen Hinterhalt mit Scharfschützen zu entgehen, beschossen die Panzer gezielt die Schule, das Wohnhaus der Familie Frohberg und die Kirchturmspitze, da sie darin einen gegnerischen Beobachtungsposten vermuteten. Erst danach betrat die amerikanische Infanterie den Ort. Die Scheunen und Stallungen der Familie Frohberg brannten aus. Zudem wurden die Arbeiterwohnungen und Gebäude/Scheunen der Familien Wiegand, Schmidt und Riemer durch Feuer zerstört. Bis auf zwei Gehöfte (z.B. Gehöft Hadert) wurde der Ort erheblich zerstört.

Die Männer des Dorfes wurden erneut unter Androhung der Todesstrafe angewiesen, die aufgebauten Panzersperren rasch wieder abzubauen.

Die amerikanische Infanterie begann nun mit systematischen Hausdurchsuchungen. Dabei wurde ein deutscher Soldat aufgegriffen, der an der Mauer an Dorfrand Richtung Zehmichkau sofort erschossen wurde. Betteln und Flehen nützten nichts. Er wurde anschließend auf den Sportplatz gezerrt. [2]

An diesem Tag starben drei deutsche Soldaten (z.B. Soldat Fritz Rathien – 18 Jahre) im Ort. Zwei wurden von US-Truppen erschossen, während sich der dritte Soldat (nach dem Verlust seiner gesamten Familie in Dresden) mit einer Handgranate auf dem Sportplatz das Leben nahm.[1]

Der Gutsbesitzer Wiegand, der auch eine Brennerei im Ort betrieb, ließ die Spirituosen der Brennerei in die Brennereikiete ab. Die im Brennereikeller auf dem Hof Wiegand eingesperrten Zwangsarbeiter wurden von den US-Soldaten befreit.

Einige Meilendorfer Bewohner suchten Schutz vor dem Töten in Körnitz.

Nachfolgende Ereignisse

Die überlebenden KZ-Häftlinge verließen Meilendorf in Richtung Hinsdorf, wo diese dann auch endgültig freikamen. An der amerikanischen Aufmarschlinie blieb eine Unmenge an militärischem Material und Ausrüstung in den Apriltagen zurück.[2]

Herr Heckendorff wurde von den Amerikanern kommissarisch als Bürgermeister eingesetzt. Die Soldbücher der drei toten Soldaten wurden ihm übergeben.[1]

Nach dem Zusammentreffen der Alliierten in Torgau am 26.04.1945 kam es dann zum Rückzug der amerikanischen Besatzungstruppen aus Meilendorf im Juli 1945.

Dieses war bereits bei der Londoner Konferenz der Alliierten vom 12. September 1944 beschlossen worden.

Nach dem Rückzug der Amerikaner wurde Meilendorf von sowjetischen Soldaten besetzt. Die erneute Besetzung Meilendorfs lief nicht ohne Probleme ab. In diesem Zusammenhang kam es zur Hinrichtung des Gutsbesitzers Wiegand.

Quellen